
Beschreibung
Was mich beim ersten Besuch überrascht hat, war die schiere Größe des Turms. Mit 16 Metern Seitenlänge ist er imposanter als die meisten anderen Türme der Alhambra. Die ursprünglichen Zinnen sind nach einem Erdbeben 1522 verschwunden, aber das tut der Wirkung keinen Abbruch. Von außen wirkt der Turm fast schmucklos, doch das ändert sich, sobald man hineingeht.
Der Aufstieg über 52 Stufen zur Terrasse lohnt sich auf jeden Fall. Die Nasriden wussten genau, warum sie diesen Platz für ihren wichtigsten Wachturm wählten. Von hier oben überblickt man nicht nur die gesamte Vega von Granada, sondern auch das Albayzín, den Sacromonte und bei klarem Wetter sogar die Sierra Nevada. Es ist einer dieser Momente, wo man die strategische Brillanz der maurischen Baumeister richtig begreift.
Die berühmte Glocke auf der Terrasse hat eine lange Geschichte. Schon die Araber sollen hier eine Glocke gehabt haben, um vor Gefahren zu warnen. Die heutige stammt aus dem Jahr 1773 und diente den Bauern der Vega als nächtlicher Zeitgeber für die Bewässerung ihrer Felder. Eine ziemlich praktische Lösung für eine Zeit ohne Uhren.
Besonders interessant finde ich die verschiedenen Stockwerke des Turms. Die unteren Etagen dienten als Kerker und Silo, während die oberen Räume nach der Reconquista als Wohnräume für die Glöcknerfamilie umgebaut wurden. Die Bauweise mit den Ziegelpfeilern und Gewölben zeigt die technische Raffinesse der nasridischen Architekten.
Am 2. Januar jeden Jahres wird die Torre de la Vela zum Zentrum einer besonderen Tradition. Dann läuten unverheiratete Frauen aus Granada die Glocke in der Hoffnung, noch im selben Jahr zu heiraten. Eine charmante Verbindung zwischen Geschichte und Gegenwart.
Wer tiefer in die Details eintauchen möchte, findet in der Torre de la Vela Audioguide zusätzliche Informationen zur bewegten Vergangenheit dieses außergewöhnlichen Bauwerks in Andalusien.
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