
Beschreibung
Der ursprüngliche Name war Al-Funduq al-Gidida, die "Neue Herberge". Das erklärt auch die Funktion: Hier übernachteten durchreisende Händler, lagerten ihre Waren und wickelten Geschäfte ab. Die Lage war perfekt gewählt, direkt neben der Alcaicería und der Hauptmoschee, wo sich das kommerzielle Leben der Stadt konzentrierte. Eine kleine Brücke über den Darro verband das Gebäude mit dem Basar.
Was mich beim ersten Besuch überraschte, war die monumentale Eingangsfassade. Sie folgt orientalischen Vorbildern – ein großer Iwan mit Muqarnas-Gewölbe, darüber ein Zwillingsfenster und eine arabische Inschrift in kufischer Schrift. Die Dekoration ist typisch nasridisch, mit den charakteristischen Gipsarbeiten und geometrischen Mustern, die man auch in der Alhambra findet.
Der Innenhof wirkt dagegen erstaunlich nüchtern. Ein quadratischer Raum mit dreistöckigen Galerien rundherum, in der Mitte ein steinernes Wasserbecken. Hier merkt man, dass dies ein Zweckbau war, auch wenn er den Sultansgemahlinnen gehört haben soll.
Nach der Reconquista 1494 bekam das Gebäude verschiedene Besitzer und Nutzungen. Besonders interessant: Ende des 16. Jahrhunderts diente es als Theaterhaus, ein Corral de Comedias. Später wurde es Wohnhaus, und im Erdgeschoss wog und lagerte man Kohle – daher der heutige Name Corral del Carbón.
1928 kaufte schließlich die Regierung das heruntergekommene Gebäude. Leopoldo Torres Balbás, der auch die Alhambra restaurierte, brachte es in den folgenden Jahren wieder in Stand. Heute beherbergt es unter anderem die Büros des Stadtorchesters und des Internationalen Musik- und Tanzfestivals von Granada.
Wer sich intensiver mit der Geschichte beschäftigen möchte, kann eine Corral del Carbón Audioguide nutzen. Das Gebäude liegt nur wenige Gehminuten von der Kathedrale entfernt und lässt sich gut mit anderen Sehenswürdigkeiten der Altstadt kombinieren.
Información adicional
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